Fernsehen, eine deutsche Kulturtragödie

2013. szeptember 28. 22:26

Alexander Gorkow
Süddeutsche.de
Kalkulierte Rührpornos wie dieser haben System in Deutschland.

„Vieles ist gut im deutschen Fernsehen. Man wird in ARD und ZDF zwar nicht mit dem journalistischen beat der BBC informiert, sondern mit dieser immer recht onkelhaft zurechtgebackenen Schmunzelerotik - aber doch ganz ordentlich. Der Müll der Privatsender ist derweil auch nur ein relativer, verglichen mit dem Dreck, den italienische oder amerikanische Sender nachmittags über ihren Unterschichten auskippen.

Vielsagend ist aber, dass sich außer den Ausgezeichneten bald kaum jemand an die Preisträger des Deutschen Fernsehpreises erinnern wird. Anders als beim US-Preis Emmy blendet das deutsche Langzeitgedächtnis großes Fernsehen aus und speichert stattdessen großen Kitsch. Das ist von den Veranstaltern dieser Preise so gewollt. Mit Sonderpreisen ausgestattet werden deshalb bevorzugt Tod-, mindestens Schwerkranke. Am Mittwoch wird der kranke Otti Fischer von den Veranstaltern mit einem Preis geehrt, und zwar erstaunlicherweise für das Lebenswerk.

Kalkulierte Rührpornos wie dieser haben System in Deutschland. Die von gebührenfinanzierten Anstalten dauergemästete 50er-Jahre-Chimäre von den bitteren Tragödien in der Welt der »Reichen und Schönen« wässert den Blick. Das alles wäre egal, wenn der Fleiß, mit dem dieser Quatsch hergestellt wird, nicht einherginge mit einer deutschen Kulturtragödie - der Verweigerung, im Fernsehen große Geschichten zu erzählen.”

Az eredeti, teljes írást itt olvashatja el.
Hozzászóláshoz és a további kommentek megtekintéséhez lépjen be, vagy regisztráljon!

Bejelentkezés